Projekte zur zeitgeschichtlichen Archäologie

In den Projektjahren 2018 und 2019 haben wir an mehreren Projekten gearbeitet, die zeitgeschichtliche Themen betrafen.

Beim Ausbau der Bundesstraße B37 in Gneixendorf 2018/2019 wurden Baracken des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers Stalag XVIIb freigelegt. Im Archäologieblog des Standard berichtet die Grabungsleiterin Judith Benedix von Funden und Befunden der Ausgrabung.

Hinterlegte Luftbilder vom 20. 4. 1945 mit den Bereichen der Grabungen 2018 und 2019 und den unterschiedlichen Lagerbereichen. Rechts: Detailansicht der Grabungen mit dem aktuellen Straßenverlauf im Hintergrund und den bei der Grabung dokumentierten Strukturen

In Wien wurde 2019 mit der Sanierung des Jüdischen Friedhofes in Währing begonnen. Die stark überwucherten Grabstellen wurden in einem Pilotprojekt unter archäologischer Begleitung unserer Grabungsteams freigelegt und dokumentiert.

Ein weiteres zeitgeschichtliches Projekt haben wir 2019 in Groß-Enzersdorf realisiert. Dort wurden in Vorbereitung auf ein Bauprojekt die Fundamente der ehemaligen Synagoge freigelegt. Diese war bereits in den 1960er Jahren abgetragen worden.

Archäologische Begleitung beim Umbau eines Hauses in Krems-Stein

Aufgrund von Renovierungsmaßnahmen im Haus in Krems-Stein wurde vom Bundesdenkmalamt Niederösterreich, Abt. Archäologie, eine baubegleitende Maßnahme beim Herausnehmen der Beschüttung in den Räumen des vermutlich bereits im Spätmittelalter erbauten Gebäudes angeordnet. Die Aufgabe bestand darin, Fundmaterial aus den Schichten zu sichern, die von der beauftragten Baufirma entfernt wurden.

Beschüttungen im Gebäude, die archäologische Funde enthielten

Im Oktober 2017 wurden sechs stratigraphischen Einheiten dokumentiert und daraus Fundmaterial geborgen.

Mittelalterliche Keramik aus der Beschüttung

Die Beschüttungen in den untersuchten Räumen zeigten sich zwar recht homogen, jedoch war in allen Sedimenten Fundmaterial enthalten, das sich in einem zeitlichen Horizont bewegt, der vom Mittelalter bis in das 20. Jahrhundert reicht. Geborgen wurde unter anderem Keramik, Kachelofenfragmente, Tierknochen, Glas, Holz- und Eisenobjekte. Eine genauere zeitliche Einordnung der Räume müsste eine bauhistorische Untersuchung klären. Aufgrund des steten Vorkommens spätmittelalterlicher Keramik in den Beschüttungen ist durchaus mit einem mittelalterlichen Kern des Hauses zu rechnen.

Archäologische Begleitung im Rahmen der Sanierung der Ruine Pfefferbüchsel / Maria Enzersdorf

Seit dem Herbst 2017 begleiteten wir die Freilegung der Ruine Pfefferbüchsel in Maria Enzersdorf von den historischen Schuttkegeln.

Dabei wurden im Inneren des neogotischen Baus, der die Ruine einer mittelalterlichen Kapelle nachbildet, herabgefallene Bruchsteine maschinell entfernt. Im Zuge der Sanierungsmaßnahme wurde außerdem der Turm an der Westseite wieder freigelegt. An der Innenseite des Turmes wurden historische Graffitti entdeckt.

https://www.mariaenzersdorf.gv.at/Pfefferbuechsel_Sanierung_schreitet_voran_3

Dokumentationsarbeiten in der Ruine Pfefferbüchsel

Die freigelegte Nordwand der Ruine und des Turmes

Historische Graffitti an der Ruine Pfefferbüchsel

Ausgrabung in Theiß erbringt bronzezeitliche und germanische Siedlungsbefunde

Über den Sommer 2017 waren wir an zwei Ausgrabungsprojekten im Wirtschaftspark Gedersdorf / Theiß beteiligt. Vom  August bis Oktober 2017 wurden etwa 5000 qm bearbeitet.

Zum einen wurden Siedlunggruben und Grubenhütten der germanischen Kaiserzeit dokumentiert.

Grubenhütte mit Pfostengruben aus der germanischen Kaiserzeit

In einem weiteren Projekt wurden hauptsächlich hallstattzeitliche Siedlungsbefunde ergraben.

Bearbeitung hallstattzeitliche Gruben in Theiß

 

Feststellungsgrabung im Auftrag des Bundesdenkmalamtes in der Kartause Mauerbach

Im September 2017 wurde von uns im Auftrag des Bundesdenkmalamtes in der Klosterkirche der Kartause Mauerbach eine kleinräumige Ausgrabung durchgeführt, bei der eine Öffnung des Fußbodens unter einer mit einem Kreuz markierten Bodenfliese vorgenommen wurde. Dabei kam die mit einer Kalksteinplatte abgedeckte Grablege des Co-Stifters Gerlach von Traiskirchen zum Vorschein. Die sterblichen Überreste des 1318 verstorbenen Gerlach waren in einer Holzkiste deponiert worden, und beim Neubau der Klosterkirche im Jahr 1629 in einer Vertiefung wieder bestattet worden.

Die Grablege wurde im Rahmen des Tag des offenen Denkmals der Öffentlichkeit präsentiert.

https://bda.gv.at/de/denkmal-aktuell/artikel/2017/09/sensationsfund-in-klosterkirche-mauerbach/

Öffnung der Grablege in der Stiftskirche der Kartause Mauerbach

 

Präsentation der Grabungsergebnisse am Tag des offnen Denkmals

Ausgrabung in Poysdorf

Grabungsfläche mit urgeschichtlicher Siedlung

Die Errichtung eines Parkplatzes in der Laaerstraße in Poysdorf durch die Stadtgemeinde Poysdorf zog aufgrund der Nähe zu bereits bekannten archäologischen Befunden polykultureller Zeitstellung eine archäologische Ausgrabung nach sich. Im Sommer 2017 wurde von der ASINOE GmbH schließlich eine Grabung auf einer Fläche von 1.930 m² durchgeführt.

Diese erbrachte archäologische Befunde einer Siedlungstätigkeit von der Bronzezeit bis in die germanische Kaiserzeit. Die Befunde überlagerten sich stark und waren alle im mittleren Hangbereich der westlichen Grabungsfläche lokalisiert.

Die ältesten Strukturen reichten in die Frühbronzezeit zurück und können der Věteřov-Kultur zugeordnet werden. Es handelt sich dabei um Siedlungsbefunde wie Speicher- und Abfallgruben. In zwei dieser Gruben wurden Körperbestattungen dokumentiert, außerdem fanden sich Deponierungen von Tierskeletten.

Der La-Tène-Kultur sind zwei Gruben(haus)-Befunde zuzuordnen. Diese überlagerten die bronzezeitlichen Befunde und wurden später wiederum von kaiserzeitlichen – germanischen Siedlungsstrukturen überbaut.

Unter den germanischen Befunden sind besonders drei in einer Reihe liegende Rennöfen von Bedeutung. Dieser Siedlungsstufe können weiter Arbeits- und Abfallgruben zugeordnet werden.

Eine neuzeitliche Schuttablagerung am östlichen und südlichen Rand der Grabungsfläche enthielt neben Funden des frühen 20. Jahrhunderts auch Objekte des 19. Jahrhunderts.

 

Baubegleitende archäologische Untersuchung in Kammern

Baubegleitende archäologische Maßnahme bei der Errichtung eines Hochwasserschutzes südlich der Zöhringer Siedlung. Im Hintergrund die historiche Mühle am Kapellenweg

Vom März bis Juni 2017 wurde bei den Arbeiten für einen Hochwasserschutz des südlichen Ortsgebietes von Kammern (Gemeinde Hadersdorf-Kammern) baubegleitend eine archäologische Überwachung des Humusabtrages vorgenommen. Die Fragestellung lag dabei darauf, ob ur- und frühgeschichtliche Befunde in diesem Teil des Ortes nachzuweisen wären.

Zwar konnten keine archäologischen Befunde dieser Zeitstellungen dokumentiert werden, jedoch waren Funde und Befunde zu den in der Frühen Neuzeit errichteten Wirtschaftsgebäude des Ortes vorhanden.

Pflasterung aus Roll- und Bruchsteinen

Südöstlich des Kapellenweges wurden eine Schuttablagerung, eine Abfallgrube und eine Pflasterung dokumentiert, die in Zusammenhang mit der dort befindlichen historischen Mühle zu sehen sind.

Keramikfragmente von Mineralwasserflaschen und Gebrauchsgeschirr