{"id":1027,"date":"2023-05-24T16:08:56","date_gmt":"2023-05-24T14:08:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.asinoe-gmbh.at\/?p=1027"},"modified":"2023-05-25T11:41:54","modified_gmt":"2023-05-25T09:41:54","slug":"stadtarchaeologische-grabung-in-krems-muehlbachgasse-8-12","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.asinoe-gmbh.at\/?p=1027","title":{"rendered":"Stadtarch\u00e4ologische Grabung in Krems, M\u00fchlbachgasse 8-12"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf einem ehemaligen Parkplatz in der M\u00fchlbachgasse 8-12 in Krems an der Donau wird auf einer Fl\u00e4che von rund 3000 m\u00b2 eine Wohnhausanlage mit Tiefgarage errichtet. Aufgrund der Lage des Grundst\u00fcckes direkt s\u00fcdlich der mittelalterlichen Stadtmauer waren Befunde der mittelalterlichen und neuzeitlichen Vorstadt zu erwarten. Von Juni 2022 bis April 2023 wurde in enger Abstimmung mit dem Baugeschehen die Fl\u00e4che von einem Team der ASINOE GmbH bearbeitet. Dabei wurden Befunde der j\u00fcngsten Zeitgeschichte bis ins hohe Mittelalter freigelegt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bombeneinschlagtrichter und Entsorgungsgruben aus dem 20. Jahrhundert enthielten neben Bauschutt und Hausrat zahlreiche Relikte des Zweiten Weltkrieges Krieges wie Helme, Gasmasken, Waffen und sonstige Gegenst\u00e4nde wie das Schild des ehemaligen \u201eKindergartens des NSV\u201c, der sich auf dem Gel\u00e4nde befand. Verkohlte B\u00fccher dokumentierten der Entsorgungsvorgang der Nazi-Relikte sehr eindrucksvoll.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf der gesamten Fl\u00e4che kamen Baustrukturen der neuzeitlichen Verbauung zutage. Einerseits handelte es sich um Geb\u00e4ude, die direkt s\u00fcdlich des M\u00fchlbaches standen. Andererseits konnte die Parzellierung der anschlie\u00dfenden Gartenfl\u00e4chen mit Nord-S\u00fcd laufenden Parzellenmauern, deren Verl\u00e4ufe sich mit jenen auf dem Franziszeischen Kataster aus dem 19. Jahrhundert decken, erfasst werden. Zu dieser Zeitstellung geh\u00f6rten zudem zwei Brunnen. Fr\u00fchneuzeitlich datieren wohl Keller aus Bruchsteinmauerwerk, die Eing\u00e4nge mit Treppenabg\u00e4ngen aufwiesen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"476\" src=\"https:\/\/www.asinoe-gmbh.at\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Abb.-1-1-1024x476.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1028\" srcset=\"https:\/\/www.asinoe-gmbh.at\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Abb.-1-1-1024x476.jpg 1024w, https:\/\/www.asinoe-gmbh.at\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Abb.-1-1-300x140.jpg 300w, https:\/\/www.asinoe-gmbh.at\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Abb.-1-1-768x357.jpg 768w, https:\/\/www.asinoe-gmbh.at\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Abb.-1-1-1536x714.jpg 1536w, https:\/\/www.asinoe-gmbh.at\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Abb.-1-1-2048x952.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb.1: \u00dcbersicht mit Stadtmauer und Kontermauer, Blick nach Norden (Foto: ASINOE GmbH)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem die Bearbeitung dieser Baubefunde abgeschlossen war, wurden Planierungen und Schwemmsande maschinell abgetragen und die Nutzung der Fl\u00e4che zeigte sich grundlegend ver\u00e4ndert. In der Mitte des Areals wurde auf der gesamten Breite von rund 65 m ein Ost-West laufender Spitzgraben vorgefunden, der bis zu 9 m breit und rund 2,50 m tief erhalten war. Der Graben war im Westen bis ca. zur Mitte der Grabungsfl\u00e4che mit Brandschutt verf\u00fcllt, der neben verbrannten Ziegeln und Holzkohle so viele Tierknochen, Metall- und Glasfragmente sowie Keramik des 17. Jahrhunderts enthielt, dass von einem Massenfund gesprochen werden muss. Der Graben lag rund 10 Meter s\u00fcdlich einer sp\u00e4tmittelalterlichen Bruchsteinmauer, die ebenfalls als Teil der Stadtbefestigung anzusehen ist (Abb. 1). Da bereits die noch bestehende Stadtmauer, die teilweise in das beginnende 14. Jahrhundert gesetzt werden kann, sowie eine rund 3 m s\u00fcdlich davon bei einer Baubegleitung 2022 aufgetretene mittelalterliche Zwingermauer bekannt sind, ist diese Mauer wohl als Kontermauer anzusprechen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rund 5 Meter s\u00fcdlich des Grabens wurde eine weitere langschmale, \u00fcber die gesamte Breite des Areals, Ost-West verlaufende Verf\u00fcllung vorgefunden, die wohl zu einem im Sp\u00e4tmittelalter verlandeten Bachlauf geh\u00f6rte. Dieser f\u00fchrte direkt an einer Zone mit sp\u00e4tmittelalterlichen, aus Bruchsteinen errichteten Geb\u00e4uden vorbei, die durch eine Einfassungsmauer nach Norden hin gegen den Bachlauf abgegrenzt war. Das gr\u00f6\u00dfere Geb\u00e4ude (ca. 12 x 9 m) war rund 1 m aufgehend erhalten. Sein Bruchsteinmauerwerk enthielt stellenweise Steinquader und Opus spicatum, zeigte innen und au\u00dfen Reste von Kalkputz und besa\u00df einen Mittelpfeiler. Au\u00dferdem wurden mit Holzw\u00e4nden abgeteilte R\u00e4ume und die verkohlten Reste eines Fu\u00dfbodens (Abb. 2) dokumentiert. Vorl\u00e4ufig kann das Geb\u00e4ude wohl um 1300 datiert werden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"690\" src=\"https:\/\/www.asinoe-gmbh.at\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Abb.-2-1-1024x690.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1029\" srcset=\"https:\/\/www.asinoe-gmbh.at\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Abb.-2-1-1024x690.jpg 1024w, https:\/\/www.asinoe-gmbh.at\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Abb.-2-1-300x202.jpg 300w, https:\/\/www.asinoe-gmbh.at\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Abb.-2-1-768x517.jpg 768w, https:\/\/www.asinoe-gmbh.at\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Abb.-2-1-1536x1035.jpg 1536w, https:\/\/www.asinoe-gmbh.at\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Abb.-2-1-2048x1380.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 2: Sp\u00e4tmittelalterliches Geb\u00e4ude, Ausschnitt mit Holzfu\u00dfboden und Mittelst\u00fctze (Foto: ASINOE GmbH)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Westlich daneben befand sich ein weiteres, kleineres Geb\u00e4ude (8,30 x min. 4,50 m), das nicht vollst\u00e4ndig erfasst werden konnte, aber durch das Vorhandensein eines Herdfundamentes und eines M\u00f6rsers als K\u00fcche anzusprechen ist (Abb. 3). Ein drittes Steingeb\u00e4ude war nur noch in den Ausrissgruben seiner Fundamentmauern erhalten. Zu diesem Ensemble geh\u00f6rten zwei gemauerte Brunnen, eine rechteckige gemauerte Grube (Latrine? Abfallgrube?) und mehrere Fassgruben. Aus den Gruben konnten zahlreiche Ganzgef\u00e4\u00dfe des 14. Jahrhunderts geborgen werden. Zudem kamen herausragende fig\u00fcrliche keramische Fundst\u00fccke, wie ein Reiterfig\u00fcrchen, eine weibliche Tonfigur mit Z\u00f6pfen und ein Aquamanilebruchst\u00fcck in Pferdeform, zu Tage. Birnenf\u00f6rmige \u00d6fen mit Sch\u00fcrkanal, Gruben und Pfostenstellungen geh\u00f6ren ebenfalls in diese Zeitstellung. Eine wirtschaftliche Nutzung dieser Geb\u00e4ude scheint naheliegend.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/www.asinoe-gmbh.at\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Abb.-3-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1030\" srcset=\"https:\/\/www.asinoe-gmbh.at\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Abb.-3-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/www.asinoe-gmbh.at\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Abb.-3-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.asinoe-gmbh.at\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Abb.-3-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.asinoe-gmbh.at\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Abb.-3-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/www.asinoe-gmbh.at\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Abb.-3-2048x1152.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 3: Sp\u00e4tmittelalterliches Geb\u00e4ude mit M\u00f6rser und Herdfundament (Foto: ASINOE GmbH)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die sp\u00e4tmittelalterlichen Geb\u00e4ude \u00fcberlagerten eine \u00e4ltere Verbauung des Hochmittelalters (13. Jahrhundert). Herausragend dabei waren mehrere als Holzschwellbalkenbauten mit Steinfundament errichtete Geb\u00e4ude, die mit Lehmfu\u00dfb\u00f6den ausgestattet waren und Feuerstellen aufwiesen, die mit Flusssteinen oder Keramikfragmenten eingefasst waren (Abb. 4). In das Hochmittelalter datiert auch eine gro\u00dfe Anzahl an Erdbefunden, zu der weitere eingetiefte \u00d6fen und zahlreiche Gruben geh\u00f6ren. Eine zusammengeh\u00f6rende Pfosten-Gr\u00e4bchen-Struktur geh\u00f6rt wohl zu einer Benutzungsphase, die noch vor der Errichtung der Holzbauten anzusetzen ist. Eine n\u00e4here zeitliche Einordnung ist jedoch erst nach ausf\u00fchrlicher Fundauswertung m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"881\" src=\"https:\/\/www.asinoe-gmbh.at\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Abb.-4-1024x881.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1031\" srcset=\"https:\/\/www.asinoe-gmbh.at\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Abb.-4-1024x881.jpg 1024w, https:\/\/www.asinoe-gmbh.at\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Abb.-4-300x258.jpg 300w, https:\/\/www.asinoe-gmbh.at\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Abb.-4-768x661.jpg 768w, https:\/\/www.asinoe-gmbh.at\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Abb.-4-1536x1322.jpg 1536w, https:\/\/www.asinoe-gmbh.at\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Abb.-4-2048x1763.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 4: Lehmfu\u00dfboden und Feuerstellen eines hochmittelalterlichen Geb\u00e4udes (Foto: ASINOE GmbH)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die komplexe Siedlungst\u00e4tigkeit der mittelalterlichen Vorstadt in der M\u00fchlbachgasse begann folglich bereits vor dem 13. Jahrhundert und damit auch vor der Errichtung der Stadtmauer im fr\u00fchen 14. Jahrhundert. Die Funktion der qualit\u00e4tvollen Steingeb\u00e4uden au\u00dferhalb der Stadtmauer wird noch Gegenstand der Forschung sein. Ebenfalls die zeitliche Einordnung des mittelalterlichen Siedlungsbeginns zwischen M\u00fchlbach und Donauufer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Autorinnen: Ute Scholz, Katharina Zimmermann<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf einem ehemaligen Parkplatz in der M\u00fchlbachgasse 8-12 in Krems an der Donau wird auf einer Fl\u00e4che von rund 3000 m\u00b2 eine Wohnhausanlage mit Tiefgarage errichtet. Aufgrund der Lage des Grundst\u00fcckes direkt s\u00fcdlich der mittelalterlichen Stadtmauer waren Befunde der mittelalterlichen und neuzeitlichen Vorstadt zu erwarten. 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